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Richtiger Wein zur rechten Zeit

kann Wunder wirken. Ob Sie einen hartgesottenen Verhandlungspartner weich machen wollen oder eine Schöne der Nacht – der Erfolg hängt (fast) nur von der Bestellung ab …

Sie haben es an sich selbst und an Ihren Freunden schon oft erlebt: Nach dem Genuss von einigen Gläsern Wein passieren die unglaublichsten Dinge. Der eine wird wach, der andere schläfrig; eine kühle Blonde lässt sich plötzlich willig den Handrücken streichen, ein trockener Büroheini wird ausgelassen und heiter.
Wie das einzelne Individuum beeinflusst wird, entscheidet allein die Weinsorte. Der Bordeaux macht philosophisch, der Burgunder euphorisch, der herbe Weisse aggressiv, der Champagner locker und der harte Drink schlicht besoffen. So will es der Volksmund.
Beginnen wir gleich beim Aperitiv, dem Einstieg in jedes Zusammensein mit Wein. Eine Unsitte, die hier immer mehr um sich greift, ist, Weisswein zu servieren – welch ein Fehler. Herbe Weisse machen aggressiv, und Sie wollen ja keine angespannte Gereiztheit, sondern lockere Freundlichkeit im Raum. Also: Champagner oder Sekt servieren; sie heben nicht nur augenblicklich die Stimmung, sondern halten auch über längere Zeit wach.
Heben Sie sich den herben Weisswein anstatt für Feststunden für Bürostunden auf; ein Schlückchen zur rechten Zeit wirkt hier Wunder. Etwa, bevor Sie in die nächste Verhandlungsrunde über Gehaltsfragen einsteigen, vier besonders aufsässigen Angestellten den Weg weisen oder vor einem kritischen Publikum eine Rede halten müssen.
Säurehaltige Weissweine bringen Sie da in genau die richtige Stimmung, spornen Sie an, auch einmal ein hartes Wort zu gebrauchen, und sie nehmen Ihnen auch etwaiges Lampenfieber. Es gibt eine ganze Reihe namhafter Schauspieler und Musiker, die in ihrer Garderobe stets eine Flasche Weisswein kühlhalten und vor ihrem Bühnenauftritt ein oder auch zwei Gläschen genehmigen. (Der unvergleichliche Dean Martin war da bekanntlich die grosse Ausnahme; er schlürfte so an die 15 bis 20 Gläser Whisky; ein Prozedere, das er ja auf der Bühne fortsetzte).
Roter Burgunder ist schlichtweg das ideale Getränk, um einen grossen Vertrag vorzubereiten oder wichtige Geschäftsabschlüsse unter Dach zu bringen. Wenn Sie Ihr Gegenüber nach dem dritten Glas fragen: «Und Sie sind überzeugt, 10‘000 Stück absetzen zu können?», wird Ihnen der Mann antworten: «20‘000 werden wir schon unter die Leute bringen.»
So goldrichtig der Burgunder zu solcher Stunde ist, so falsch wäre hier ein grosser Bordeaux. Der Bordeaux ist ein besinnlicher Wein; er macht nicht wie der Burgunder euphorisch, sondern nachdenklich. Er animiert nicht zur Selbstüberschätzung, sondern vielmehr zu Zurückhaltung – er ist kurzum ein Wein zum Meditieren, ein Wein für den stillen Genuss. Genau der richtige also, um zu vorgerückter Stunde im intimen Freundeskreis hochgeistige oder philosophische und ganz und gar nicht persönliche Gespräche zu führen.
Einer Dame serviere man, wenn man sein Ziel direkt anstrebe, einen lockeren Champagner oder Sekt. Nicht nur zum Aperitiv, sondern als Begleiter durch ein ganzes Essen (das natürlich auch nicht zu schwer sein darf). Der Alkohol im Wein macht spritzig und witzig,
gelöst, entgegenkommend und manchmal sogar verwegen. Trotzdem ist Champagner leicht genug, um auch nach mehreren Gläsern noch für einiges fit zu sein.
Ist die Beziehung noch nicht so weit gediehen und geht es erst einmal darum, den Geist der Dame willig zu machen, so tischen Sie ihr allerdings besser einen belebenden Wein auf; am besten einen edlen Beaujolais – weshalb nicht eine Flasche grossen Jahrgangs mit dem schönen Namen Saint-Amour?
Solche Weine entfesseln Gefühle wie eine Rhapsodie von Liszt, drei Gläser bewirken hier mehr als tausend Worte. Das positive Ich kommt zum Bewusstsein, und es mag gut sein, dass Ihre Herzensdame in eine handfeste Euphorie gerät: Das Terrain ist gut vorbereitet; übermorgen ist sie für das Champagner-Diner reif …
Ungeduld jedenfalls lohnt sich nicht. Natürlich können Sie den harten Weg beschreiten. Nach vier Longdrinks, die eine gehörige Portion Whisky, Rum, Gin und/oder Wodka enthalten, fällt auch die stärkste Bastion; die Dame sagt nicht einmal mehr pieps, sondern liegt wort- und willenlos vor Ihnen – schnarchenderweise.

[NeueGastronomieZeitung]
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